Medea.Stille
Idee/Regie: Stefanie Anna Miller
Bühne: Bernd Wagner
Musik: Ivo Jock
Gesang: Felicitas Heers
Premiere: 13. Februar 2020
Tafelhalle Nürnberg
Dauer: 75 Minuten
Hier ein Mitschnitt der Premiere:
https://www.youtube.com/watch?v=HKf5YHKh0C4
Mit:
Cindy Klink (vorher: Kassandra Wedel) als Medea
Alexander Sehan (vorher: Stefan Drücke) als Jason
Meike Hess als Kreusa
Laura Polster als Alexia
Sowie einem Gebärdenchor unter der Leitung von Konrad Rubin
Trailer: Florian Reichart
Fotos: Bernd Wagner und Sebastian Autenrieth
Die Tragödie der Medea ist einer der bekanntesten Stoffe des klassischen, griechischen Theaters. Es erzählt die Geschichte einer Frau, Medea, die für ihren Geliebten Jason ihre Familie verlässt, nur um später von ihm verstoßen zu werden und schließlich
zur Mörderin an ihren Kindern wird.
Für das von Aktion Mensch geförderte Stück nimmt Stefanie Anna Miller den Stoff der Medea als Grundlage für ihre Theaterinszenierung, bei der Gehörlose, Gehörgeschädigte und Hörende auf der Bühne stehen werden. Medea ist bei ihr gehörlos und kommt mit ihrer großen Liebe Jason in die Welt der Hörenden, wo sie betrogen und ausgegrenzt wird. Dann verlässt auch noch Jason sie – natürlich wegen einer Hörenden – woraufhin Medea einen perfiden Racheplan entwickelt, bei dem sie nicht einmal vor den eigenen Kindern Halt macht. Eine ganz eigene Gebärdensprachpoesie wird auf der Basis des antiken Dramas erzählt – sowohl für Gehörlose als auch für Hörende verständlich. Miller versteht ihr Stück als Anregung zu einer Auseinandersetzung mit der Gehörlosenkultur und als Beispiel für soziale Inklusion, in der Menschen mit und ohne Behinderung zusammen künstlerisch ein Projekt für die Bühne erarbeiten.
Cindy Klink spielt Medea. Sie ist gehörlos und steht als Deaf Performerin mit internationalen Künstlern wie Coldplay, Sting, Sam Smith, Lenny Kravitz auf der Bühne. Außerdem steht sie als Schauspielerin regelmäßig vor der Kamera („Als wäre es leicht“, Milan Skrobanek) und jetzt auf der Theaterbühne.
Sie spielt gemeinsam mit hörenden Schauspieler*innen und einem Gebärdenchor. So entsteht eine ganz eigene Gebärdensprachpoesie auf der Basis des antiken Dramas.
Das meinen die Zuschauer:
Michael Bader - Direktor des KunstKulturQuartiers Nürnberg:
Die künstlerische Transformation des Phänomens unterschiedlicher Kommunikationsebenen ist nahezu genial gelungen. Starke, sehr beredte Bilder von starken DarstellerInnen-Persönlichkeiten. Eine Inszenierung, die sich als solche messen lassen will und sich nicht den „Aktion-Mensch“- Stempel aufdrücken lassen muss. Für mich eine normale Theaterproduktion. Und eine Gelungene zumal.
Sebastian Eilers - Choreograf und Regisseur, Leiter SETanztheater:
Am 14. Februar besuchte ich die Vorstellung "Medea.Stille" in der Tafelhalle in Nürnberg. Stefanie Miller inszeniert hier eine zeitlose Medea in modernem Kontext auf die Bühne. Das gelingt ihr in dem Maße, dass wir, die Zuschauer*innen, uns nach und nach immer tiefer in die Charaktere der Tragödie hinein fühlen, insbesondere in die schmerzende Gefühlswelt der Hauptperson Medea. Das sehr zahlreich bestückte Auditorium um mich herum, bestehend aus Nichthörenden und Hörenden, folgte mit ungeteilter Aufmerksamkeit den leidenschaftlich agierenden und fokussierten Schauspieler*innen, sowie dem epischen Gebärdensprachenchor. Offenbar hat Stefanie Miller einem Publikumskreis die Türe zum Theater geöffnet, der nur darauf gewartet hatte erschlossen zu werden. Der kräftige, langanhaltende Applaus an diesem Abend bestätigte dies!
Michael Inselsberger - Leiter der offenen Hilfen Nürnberg, Regens Wagner Zell
Vor allem der inklusive Charakter des Stückes war beeindruckend, hörende wie gehörlose Menschen waren gleichermaßen von der Darstellung angetan, in dieser Form habe ich so etwas noch nicht erlebt.
Die Brisanz des Stückes, „die hörende Kultur prallt auf die gehörlose Kultur“, wurde ausdrucksstark von den Schauspieler*innen dargestellt. Dabei wurde das Niveau des Theaterprojektes hoch gehalten, hörende wie gehörlose Zuschauer waren gefordert. Passend und ideenreich wurden die Kommunikationskanäle beider Zielgruppen angesprochen.
Ich kenne gehörlose Kolleg*innen, die derart von dem Dargestellten angetan waren, dass sie zwei der drei möglichen Aufführungen besuchten.
Dass Stefanie Miller Menschen mit Hörschädigung, die zusätzliche Beeinträchtigung haben, in dem Stück integriert hat und sie dies nicht als erwähnenswert, sondern vielmehr als normal betrachtetet, verdient meinen besonderen Respekt.
Lucas Fassnacht – Poetryslammer und Thrillerautor:
Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Inszenierung es schafft, zwischen Ton und Gebärde zu wechseln. Jede neue Szene, fast jeder neue Moment konfrontiert das Publikum damit, was Beeinträchtigung bedeutet; jede Art von Sprache kann ein Tor zur Welt sein – und ohne Schlüssel steht man vor verschlossenen Türen.
Friederike Engel – Dramturgin und Leiterin der Tafelhalle
von Stefanie Miller hat mich beeindruckt. Der Abend schafft ein Theatererlebnis für alle Sinne, das sowohl Gehörlose als auch Hörende ästhetisch herausfordert und begeistert. In der klugen Übertragung der Figurenproblematik der Medea auf die Fremdheit einer Gehörlosen in einer hörenden Gesellschaft, gelingt eine überzeugende, neuartige Darstellung des antiken Mythos. Stefanie Miller schafft es außerdem Laien und professionelle Spieler auf Augenhöhe zusammenzuführen und allen ihren Raum zu geben. Allen voran die gehörlose Kassandra Wedel in ihrer Mehrfachbegabung als Tänzerin und Spielerin verkörpert eine Medea ganz besonderer Art und ist berührendes Zentrum dieser absolut sehenswerten Inszenierung!
Corinna Weber, Pastoralreferentin Stuttgart
Eine starke Inszenierung - mit und von beeindruckenden Personen -, die eine Ahnung von der jeweils "anderen Welt" spürbar werden lässt und einlädt, im Alltag sensibel zu sein.
Zuschauerin im schwere reiter, München:
Medea.Stille ist Musik für die Augen!